Dieser Text ist auch unter dem Namen ”Shragas verlorene Schülerin“ verbreitet

An den Herrn der Unsterblichen Feste. Die Botin, welche dir dieses Schreiben überbringt ist nicht länger erwünscht an meinem Hof. Ich habe keinerlei Verwendung in meinen laufenden Projekten für sie und werde auch in Zukunft keinen Platz für diese Person schaffen. Sie hat meine Erwartungen und Hoffnungen in einem Umfang entäuscht, den mein Verstand zuvor nicht für möglich hielt. Sie hat mich hintergangen und betrogen, meine Güte und Vertrauen ausgenutzt um ihre eigenen Ziele hinter meinem Rücken zu verfolgen. Sie hat ihre persönlichen Ziele nicht nur über meine sondern auch über das Gemeinwohl gesetzt und eine Rücksichtslosigkeit an den Tag gelegt, wie ich es für eine ihrer Abstammung niemals für möglich gehalten hätte. Du wirst sie lieben, Thul Ag-mîn.

gez. Shraga der Eiserne

Oh weiser Shraga,
Ich unwürdige Kreatur schreibe dir im Namen meines allmächtigen Herren, dessen Namen zu groß ist, als das ich, Mahoyu der Dankbare, ihn aufschreiben dürfte. Er entsendet Zufriedenheit über dein Geschenk. Mein Herr hat mich gebeten, nun ein Dossier über sie anzufertigen. Da das Objekt scheinbar nicht willens zur Kooperation ist und ich ihren Körper nicht weiter über das reparable Maß strapazieren darf muss ich nun unterwürfig Euch, oh mächtiger Shraga bitten, mir die entsprechenden Informationen zu übermitteln.

gez. Mahoyu der Dankbare

An den Erzalkemios Mahan de vo Canar,
Ihr, der Ihr Euch jetzt Mahoyu nennt höret was ich euch verkünde. Nicht würdig hielt mein Herr euch, als dass eine Kreatur wie ihr, seineWorte direkt vernehmt. Die Person die wir euch entsandten wurde von einer Expedition meines Meister vor 51 Zyklen tief unter dem Ewigen Meer gefunden. Es begab sich, dass mein Herr von Abgesandten des Silbernen Hauses Murach Dolochs gebeten wurden, bei einer Bergung Verwundeter und Verschollener Arbeiter unter dem Ozean zu helfen. Wie ihr sicher wisst, handelte es sich dabei um die Konstruktionsarbeiten, die Akestron der Rastlose voran treibt. Über den genauen Fundort des Säuglings ist mir nichts bekannt, doch brachte man es aus den tiefsten Höhlen herauf, die bis dahin in den Leib Terras gegraben worden waren. Die Farbe seiner Haut war schneeweiss und sie fühlte sich eiskalt an. Ansonsten glich sie jeder anderen Tochter der Linesti soweit wir dies bestimmen konnten. Was Euer Volk so tief in unseren Tunneln trieb ist uns nicht bekannt. Doch trotz der offensichtlichen Missachtung der Abkommen befahl mein gnädiger Herr, sie in unsere Reihen aufzunehmen und gab ihr den Namen Selina Tiefensee nach ihrem Fundort. Im Anhang zwei Schriftstücke, welche ihren Werdegang besser umschreiben als ich es könnte.

Die folgenden Zeilen verfasste das Gremium der ’Lehrmeister fremder Kulturen von Terra Assansol’ welchen die Ausbildung Selinas aufgetragen worden war vor 8 Zyklen: ”Name: Selina Tiefensee. Abstammung: Linesti. Alter: 44 Zyklen (unsicher). Studienzeit: 39 Zyklen. Status: Kurz vor der Jungalkemios Prüfung. Forschungsgehilfin. Projektschwerpunkt: Mikrovitale Liquidänderungen human-aquanautischer Lebensformen. Leistungen: Außergewöhnlich. Prognose: Herausragender Jungalkemios abschluss mit folgender akademischer Lehranstellung an der ’Akademie fremder Kulturen von Terra Assansol’.” Das Nachfolgende stammt von einem Lehrmeister selben Gremiums, vier Jahre später: ”Geehrter Eiserner, man entsenden dieses Schreiben als Bitte, Aufmerksamkeit auf die junge Selina Tiefensee zu wenden. Nach wie zu erwarten herausragenden Abschluss an unserer Lehranstalt verließ sie uns um für die ’Anstalt para-arkaner Gefäßkrankheiten’ in Terra Ankor unter Erzalkemia Talitha zu studieren. Dort zeigt sie vor allem großes Interesse an submikrovitalen Flüssigkeitsanomalien bei Anhängern ihres Volkes. Dies hat schon während ihrer Studienzeit etwas verwirrt. Während man zunächst ihre Begeisterung auf die Kindheit zurück führte, welche sie fern ihrer Heimat verbrachte konnte man nicht umhin, mit der Zeit mehr und mehr zu bemerken, dass sie ihr Volk mehr als Studienobjekt betrachtet, als als etwas, mit dem sie Emotionen verbindet. Generell hatte man, und man bedauert dies so offen aussprechen zu müssen, des öfteren den Eindruck, ihr Gemüt sei so kalt wie ihre Haut. So bittet man, Shraga, nehmet die Schülerin erneut selbst an, denn sie droht auf einen Weg zu geraten, der nicht der Weg eines Eisernen sein kann.” Nach Erhalt dieses Briefes bat mein Meister Selina, in seien Dienste zurück zu kehren. Doch aus den Hoffnungen, die wir uns noch vor einigen Jahren machten wurde bald Verständnislosigkeit, wie ihr sicher dem ersten Schreiben entnehmen konntet. Falls ihr weitere Informationen benötigt steht es euch gerne frei, das Gremium Assansols zu belästigen.

Grußlos,

Ein Chronist des Silbernen Hauses