Verehrter Meister Sephistikos Abaddon al Quatalkotl,
ich freue mich, Euch über meine Fortschritte in der äußerst interessanten Materie der verfemten Forschung unterrichten zu dürfen. Ich kann nicht umhin zu betonen, wie sehr mich Euer Vertrauen in meine Fähigkeiten geehrt hat. So hoffe ich, dass meine ersten Ergebnisse die meiner Konkurrenten übertreffen und ich mich so des weiteren Lebens zu Eurer Ehre als würdig erweisen kann. Ich muss im Voraus betonen, dass viele Einzelheiten noch unbekannt sind und das Verfahren in großem Maßstab noch nicht zur Anwendung kommen konnte. Es haben sich chaotisch auftretende Instabilitäten der Substanz gezeigt, die bisher nicht unter Kontrolle zu bringen waren. Jedoch waren erste Anzeichen eigenständiger gedanklicher Tätigkeit festzustellen, womit das primäre Ziel unserer Anstrengung nunmehr erreicht ist. Die theoretischen Grundlagen sind von unschätzbarem Wert auf unserem weiteren Weg. Die Fähigkeit, selbst eine Substanz zu schaffen, die nicht in Abhängigkeit irgendeinem Element gegenüber gebunden ist, Euch als Herrscher aber gleichzeitig blind ergeben sein soll. Vollenden wir dieses historische Werk , werden wir die ultimative Waffe besitzen, um unseren Feinden ein für allemal das Verderben zu bringen und ihre unsinnigen Herrschaftsansprüche zu zerstreuen. Bevor ich Euch die prinzipiellen Grundüberlegungen und Prozeduren beschreibe, verehrter Meister, möchte ich Euch noch die freudige Nachricht überbringen, dass ein mächtiger Ouai des Feuers, Fal’charin, unserer Sache nun mit Freundschaft begegnet und bereit ist, so die Zeit gekommen und das Verfahren vervollkommnet wurde, mit seinen Schülern die Hervorbringung und Nutzung der Substanz rückhaltlos zu unterstützen. Auch möchte ich Euch noch auf das eindringlichste warnen, denn nicht alle Ouai stehen unseren Zielen mit so wenig Misstrauen gegenüber, wie es bei Fal’charin und seinen Schülern der Fall ist. Seht Euch also vor, denn so mancher hat unseren Weg vergessen und wagt es, eigene Gedanken zu fassen. Dies sei ferne! Schickt Eure treuesten Krieger aus, findet und vernichtet die Abweichler, denn der größte Feind, dem wir uns stellen können, ist nicht bei den anderen Herrschern, sondern in unseren eigenen Reihen, ja in unseren Herzen zu finden. Es ist soweit, hoch verehrter Sephistikos! Mir ist es Gelungen die Substanz in einen soweit stabilen Zustand zu bringen, dass es mir möglich ist euch ein wenig über dessen Eigenschaften zu berichten. Lange überlegte ich, wie man etwas erschaffen kann das sich unabhängig von den Urelementen entwickeln kann. Denn nur wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, wäre es möglich aus dem Schöpfungskreis auszubrechen um Altgewohntes und Überholtes abzustreifen. Der einzig Erfolg versprechende Weg schien mir folgender zu sein: Ein jedes Wesen besteht, wie ihr sicher wisst, nicht nur aus der sichtbaren KomponenteUnennen wir es einmal den CorpusUund den jedem Laien bekannten unsichtbaren BestandteilenU führen wir hier einmal den Geist und die Seele auf, sondern ebenso aus einigen anderen Bereichen die hier nicht unerwähnt bleiben dürfen weil sie für die logische Schlussfolgerung, die ich euch, werter Meister, zuteil werden lassen möchte, unersetzlich sind. So möchte ich neben dem Geist, welcher zumeist als der Sitz unserer Emotionen und Intelligenz bezeichnet wird und der Seele, welche Heimat unserer Unsterblichkeit sowie dessen, was man Gewissen nennt ist noch den Traumkörper sowie das Traumselbst, das aetherische Doppel welches unsere geistige Kraft beherbergt und auch den wahren Namen des Wesens aufführen. Zuletzt muss unbedingt und unverzichtbar noch de Schatten der Existenz erwähnt werden U das verborgene Doppel unserer selbst, der Antipol all dessen was wir sind. Das es nun gilt, die Essenz eines beliebigen Wesens von all dem was es an die Elemente bindet zu trennen U was zugleich zu einer bemerkens U und wünschenswerten Einschränkung der Willensfreiheit des Zielobjekts führen wird U muss darauf geachtet werden den Schnitt sauber anzusetzen U wenn mir dieser Vergleich mit der banalen Kunst der Medici erlaubt sei. Ich habe mich daher entschieden, die Intelligenz und den Geist zu behalten, während ich auf den Traumkörper und die Seele verzichte. Ich bin mir bewusst, dass dies zu Defiziten führen kann, da das Zielobjekt unter Umständen durch den Behalt seiner eigenständigen Emotionen zum Teil unperfekt bleibt. Dies kann jedoch durch externe Konditionierung leicht kompensiert und in die gewünschten Bahnen gelenkt werden. Sobald also Geist, aetherisches Doppel und Antiselbst aus dem Ganzen gerissen wurden gilt es den Rest der ”unsichtbaren“ Bestandteile der Existenz aus dem Körper zu entfernen um ihn zu einem Gefäß der gereinigten Essenz zu machen. Dies kann leicht durch einen simplen Sphären-Geist-Diverter geschehen solange dieser mit der richtigen Form und Menge an psychokinetischer Energie gespeist wird. So sind nun die erwünschten Bestandteile aus der Materie abgespalten ohne dass sie in den Kreislauf zurückkehren können. Doch wie sollte ich dies bewerkstelligen, ohne direkt auf die den Elementen inhärenten Kräfte zurück greifen zu müssen und somit die Nyame oder einen der anderen Herrscher auf mich aufmerksam zu machen. Auf keinen Fall durfte es geschehen, dass ein Faden der Magie auch nur in Schwingung gesetzt wurde. Wie so oft sah ich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Vor vierhundert Tagen habe ich einen Konstrukteur des kleinen Volkes, Mokosch Eisenschädel, aufgenommen, der seit langen Jahren die Möglichkeit der Nutzbarmachung elementarer Macht ohne die Zuhilfenahme von magischen Intonationen oder der ineffektiven Freisetzungsprozesse, die seit Anbeginn der Zeit selbst die primitivsten Völker beherrschen. Er hatte behauptet, dass man die den Urelementen innewohnende Energie der Kinetik in eine Art energetische Flux umwandeln könne, die dann je nach unserem Belieben zur Zerstörung oder Schöpfung einzusetzen wäre. Diese Flux würde eine Art geistiger Energie darstellen, die sich jedoch auf wunderbar radikale Weise von der herkömmlich bekannten magischen Energie unterscheidet. Daher werde ich sie von nun an Animaratio, kurz AR nennen. Ein AR soll die Energie sein, die einen Kubikmeter Wasser vollkommen verdampfen kann. Ich hatte nur ein Problem, wie sollte ich es bewerkstelligen, diese Energie zu erzeugen. Ich wusste, dass man etwas in Bewegung setzen musste, um dann aus der Bewegung mittels eines so genannten ARfeldes die ARenergie zu erzeugen. Die Lösung stellte sich jedoch bald ein. Ich experimentierte mit dem Element Kardinium und Aikahritt und so fand ich heraus, dass wenn man beides richtig anordnet tatsächlich eine große Menge an Energie zu erzeugen ist. Aus dem Element Aikahritt formte Mokosch einen länglichen Barren und umgab ihn mit einer kunstvollen Schlange aus spinnendünnen Fäden aus dem erwähnten Element Kardinium. Die genauen Anordnungen und Probleme bezüglich dieses Vorganges werden mit meinem detaillierten Forschungsbericht folgen. Nun hatten wir zwar das ARfeld erschaffen, hatten aber noch das Problem der Grundsubstanz, der Trägersubstanz, der Feldstabilität und der Substanzstabilisierung und Speicherung zu bewältigen. Zum Problem der Stabilisierung und der ARfeldstabilität machte sich meine weise Besetzung der Maschinistenstelle durch Mokosch, sowie Eure Weise Besetzung der Projektstelle durch meine Wenigkeit wiederum bezahlt. Wir kamen überein, das Element Boradium mit Hilfe der ARenergie zu verdampfen und es so in eintausend Schichten abwechselnd mit dem künstlich geschaffenen Element Galizium auf eine hochwertige Kugel aus Kristallglas aufzubringen. Dabei mussten wir besonders auf die strukturelle Integrität der Kugel und der Bedampfungsschichten achten, da bereits ein kleiner Kratzer zu fürchterlichen Verheerungen hätte führen können. Zur Kühlung lagerten wir die Kugel in einem mit Wasser gespeisten Druckbehälter, der im Notfall auftretende Temperaturschwankungen ausgleichen sollte. Im Kleinen war das Experiment ein großer Erfolg. Doch umso größer wir das Modell dimensionierten desto schwieriger wurde die Umsetzung, bis wir die Grenzen des technisch Möglichen erreichten. Es war, als würde das Schicksal selbst gegen uns arbeiten! Als würden uns die Elemente verhöhnen, platzte die Sphäre ein jedes Mal, wenn sie eine kritische Größe überschritt. Den Druck zur Ausdehnung konnten wir erreichen, wie jedoch sollten wir mit der Atmosphäre zurechtkommen? Wir mussten dem Element Luft Einhalt gebieten! Aber wie? Und wieder hatte Mokosch eine geniale Eingebung. ”Wir saugen die überschüssige Luft ab und verwenden sie zugleich um den flüssigen Kern auszuweiten. Also dichteten wir in mühevoller Arbeit einen aus Stein gemeißelten Druckbehälter ab uns erschufen so in einer begrenzten Atmosphäre eine Art Leere, die um die Glaskugel im Inneren dieses Druckbehälters herum herrschte.“ Dies war sofort von Erfolg gekrönt, so dass wir es theoretisch bewerkstelligen konnten die angestrebte Trägersubstanz U Blut - in der Kugel zu fangen und sie den gewaltigen ARenergien auszusetzen. Freiwillige waren schnell gefunden. Die Ehre sich Euch aufzuopfern und als Belohnung ein neues Leben zu erhalten, war den Primitivlingen der Lona Akata genug, sich wie die Schafe anzustellen. Da ich kein Unmensch bin, habe ich ihnen eine gute Henkersmahlzeit spendiert. Die Armen, wie sollten sie auch wissen, dass wir uns des Erfolges durchaus nicht sicher sein konnten. Wer hätte es ihnen denn auch sagen sollen? Erstens bin ich für solche Kleinigkeiten nicht zuständig und zweitens gehen sie nach dem Elementarerhaltungssatz in diesem Sinne ohnehin nicht verloren. Also errichteten wir die so genannten R.E.V.I.T.A.L.I. Altäre (Radikaler Element vaporisierender Initial Transistor zur Auflösung Lebendiger Individuen), die die einzig relevante Substanz aus dem Körper(Blut) der Opfer durch Rinnen zur bedampften ARkugel leiten, um dort der unbändigen Energie von zehntausend AR ausgesetzt und so der Elementbindungen beraubt zu werden. Unser nächstes Problem, das es zu lösen galt, war die hohe Instabilität und extreme Reaktionsfreude der neu gewonnenen Substanz. Womit kann man die Substanz binden ohne sie mit natürlichen Elementen in Berührung zu binden? Fragte mich Mokosch. Gute Frage... Über zwölf Monate und endlose Versuche beschäftigte uns dieses Problem. Bis mein Assistent für metakinetische Fragen, Oppistius, die richtige Frage stellte: Was geschieht,wenn wir zwei Edelmetalle dazu zwingen eine Verbindung einzugehen? Daraus müsste doch eine völlig neue Substanz entstehen, die von den Elementen nicht vorgesehen war? Das war der Stein des Anstoßes! Doch wie sollte dies vonstatten gehen? Denn die bezeichnende Eigenschaft von Edelmetallen war nun einmal, das sie sich nicht verbinden - zumindest nicht ohne zu Hilfenahme von Magie. Wenn man jedoch die Edelmetalle mithilfe der Substanz zur Reaktion zwingen könnte so müsste dies zur Verschmelzung führen, auch ohne Magie. Um dies jedoch zu bewerkstelligen, muss die Substanz auf das Extremste beschleunigt werden um wie ein Pfeil auf die Metalle einzuschlagen. Um diese Beschleunigung zu erreichen mussten wir einen nicht leitenden und haftfreien Tunnel konstruieren in dem wir die Substanz absolut beschleunigen können. Das letzte Problem stellte noch die Beschleunigung dar. Dafür habe ich meine Schüler mit der Substanz infiziert um die psychokinetische Energie so stark zu potenzieren, dass die Substanz die größtmögliche Geschwindigkeit erreicht. Während des Kreationsprozesses vernetzten wir uns und brachten zusammen genug psychokinetische Energie auf, um die Substanz aus der Glasblase durch den Tunnel auf einen Trägerkern aus Jacobium und Wolfradium zu schießen. Nun mussten wir nur noch an genügend Jacobium und Wolfradium kommen um langfristig ausreichend Trägersubstanz zu erhalten. Das Jacobium beschafften wir, indem wir die Schätze des alten Sonnenkultes einschmolzen, der doch tatsächlich glaubte, es wären die Tränen ihres strahlenden Gottes. Das Wolfranium, oder Blut des Mondes, wie es die primitiven Völker Mythodeas vor ihrer Befreiung nannten, war dann ein Kinderspiel. Zwar verglühten bei den ersten Versuchen regelmäßig einige Akolyten, doch immerhin schafften wir es, die Substanz genügend zu beschleunigen und auf den Trägerkern zu schießen. Das Schauspiel war Atemberaubend. Im Versuchsraum mit der Trägersubstanz erfroren alle Laborgehilfen und blieben in ihrer letzten Bewegung erstarrt. Wie bizarre Statuen schmückten sie den Raum, bei Einigen konnte man sogar noch die Überraschung und Todesangst auf den Gesichtern sehen. Auf ihrer Hautoberfläche zeigten sich schwarze Erfrierungen, die jedoch anders aussahen als alles, was mir bisher untergekommen ist. Ihr währet über diesen Anblick sicherlich sehr erfreut gewesen, mir jedenfalls versüßte dieser Anblick neben der Genugtuung des Erfolges erheblich den Tag. In der Konvulsionskammer hatte sich Erstaunliches ereignet. Jacobium und Wolfranium waren verschmolzen und hatten eine tiefschwarze Farbe angenommen. Eine tödliche Kälte ging davon aus. Irgendwie fühlte ich mich ein wenig unwohl, denn ich vermeinte in meinem Kopf das vorsichtige Tasten gedanklicher Tentakel zu verspüren. Nun also steht der Vollendung unseres großen Werkes, unübertroffen in der Geschichte Mythodeas und Eures glorreichen Volkes, nichts mehr im Wege, als der Wille, es zu vollbringen. Die Erschaffung einer so großen Menge der Substanz stellt uns vor einige Hindernisse. Erstens habe ich errechnet, dass zur Herstellung eines Liters der Substanz das Blut von eintausendvierhundertfünfzig Sklaven nötig werde. Hier würde ich die Errichtung von großen R.E.V.I.T.A.L.I. Altären vorschlagen, die mit Ritualzeichnungen geschmückt sind. Dies wird die Eingeborenen davon überzeugen, für eine höhere, ja göttliche Sache zu sterben und die Ouai an ihre alten Riten erinnern. Zudem sollten die Opferungen zeremoniell vonstatten gehen, um diesen Blendungseffekt noch zu verstärken. Arme, dumme Toren, wie Vieh werden sie sich zusammenrotten in der Überzeugung, ihr Leben für etwas heiliges, den Elementen gefälliges zu opfern. Brav werden sie in der Schlange stehen, um ihr neues, großes Leben zu erhalten. Selbst ihre toten Körper werden uns nützlich sein. Unterirdisch werden wir das Blut auffangen und unsichtbar für die Kleingeister umwandeln. Doch ich möchte Euch auch warnen. Sorgt dafür, dass die Substanz sich nicht erdreisten mag, einen eigenen Willen zu ermitteln. Ich befürchte auch, dass nach der Erschaffung einer gewissen kritischen Masse die Substanz befähigt sein könnte, sich selbst wieder zu erschaffen. Sollte dies gelingen, wird ihr Aufwand ungleich geringer sein, als der Unsere. Eure und meine Weisheit jedoch wird dies zweifellos verhindern und unsere überlegene Intelligenz wird uns Vorkehrungen ersinnen lassen. Ich habe schon mit ersten Versuchsreihen begonnen, die Substanz wider zu vernichten und dies auch ohne Hilfe der Elemente. Der Schlüssel sind die Elemente seiner Erschaffung und die Theorie seiner Entstehung. Wie so oft sollte die Vernichtung der Substanz, zumindest in alchemistischer Hinsicht, einfacher sein, als die Erschaffung. Schon mit einem normalen Labor sollte es uns möglich sein, genügend Antisubstanz zu erzeugen, um kleine Mengen zu vernichten. Ein Problem würde es natürlich darstellen, wenn die Substanz körperliche Form annehmen und so den Vernichtungsversuchen entkommen sollte. Die Verkörperlichung solltet Ihr also noch einmal gut überdenken, denn diese könnte tatsächlich ein Problem darstellen. In tiefster Demut beuge ich mich vor Eurer Weisheit und Eurem Mut, meine Gedanken aufgenommen, verbessert und schließlich zur Ausführung durch mich gebracht zu haben. Weiser Herrscher Sephistikus, bewege nur Deine Hand und ich werde das, was wir begonnen haben, auch vollenden.

Heredion Magnador Zerasthul