Mein erster LARP Charakter

Oder: Wie ich zu meinem ersten Charakter in fünf einfachen Schritten komme!

1. Was wäre ich gerne?

Zuerst musst Du Dir überlegen, was Du spielen möchtest und ob Du Dir vorstellen kannst, das auch über einen längeren Zeitraum (also z.B. ein paar Tage) durchzuziehen. Bekannte Figuren und Vorbilder aus Filmen oder Computerspielen sind hier durchaus erlaubte Inspirationen - sei es ein "Witcher", eine "Elbin" aus Herr der Ringe, ein "Skyrim" oder "Vikings" Nordmann, eine Adelige aus "Game of Thrones" oder ein "World of Warcraft" Hexenmeister.
 
Besonders wenn die Figur aus einem Film ist, überlege Dir gut, ob Du auch das "alltägliche Leben" in dieser Rolle vorstellen kannst. Legolas sieht immer toll aus, wenn er Orks erschießt - aber Du müsstest dafür rund um die Uhr Make-Up (inkl. Ohren) tragen und permanent wie ein Baletttänzer laufen. Das kann mit der Zeit ganz schön anstrengend werden!
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2. Wie wird diese Idee einzigartig?

Auf dem ConQuest finden sich tausende von Figuren und Charakteren. Würde jeder Abenteurer "Geralt" und jede Dame "Mellisandre" oder "Daenerys" heissen, wäre das ziemlich langweilig. Überleg Dir, wie Du dein Vorbild so abänderst, dass es DEINE Figur wird und kein Abziehbild aus einem Spiel oder Film.
 
Für den Anfang kann es sehr verlockend erscheinen eine bekannte Figur exakt nachzuahmen - dies wird aber mit der Zeit sehr einengend und kann im Spiel zu eingeschränkter Akzeptanz führen.
 
Neben einem individuellen Namen ist es hier ratsam die Geschichte der Figur leicht zu verändern. Füge ihr doch noch ein paar Schicksalsschläge, Nachteile oder Ängste hinzu. Generell machen Defizite einen Charakter immer spannender als Dinge die er oder sie perfekt kann. An statt zu überlegen "Wie toll kann ich kämpfen/zaubern/aussehen?" frag Dich lieber wovor Deine Figur Angst hat, was sie nicht verlieren möchte, was sie gar nicht kann und welch dunkles Geheimnis am besten nie jemand herausfinden sollte...

3. Wie stelle ich diese Idee dar?

Jetzt hast Du langsam ein grobes Konzept einer einzigartigen Figur - am besten mit individuellem Namen und eigener Hintergrund-Geschichte. Und womöglich hast Du ein ziemlich genaues Bild davon, wie die Figur aussehen könnte.
 
Auch hier empfiehlt es sich, vom Vorbild leicht abzuweichen. Zum einen, weil eine exakte Kopie eines Film- oder Spiel-Kostüms sehr viel aufwändiger und teurer sein kann als Du es Dir bei Deinem Charakter leisten möchtest. Zum anderen aber auch, da Du die Figur ja nicht nur in einzelnen Szenen auf einer Bühne, sondern rund um die Uhr "leben" statt nur "darstellen" willst.
 
Statt einer original Wikinger-Replik tut es womöglich anfangs auch ein Leinenschnürhemd von der Stange. Statt original Lederschuhe reichen erst einmal schöne Gamaschen über Deinen alten Wanderstiefeln. Und an Stelle einer handbestickter Seidenbluse startet Deine Figur ihr erstes Abenteuer in einem schicken Leder-Mieder.
 
Du erreichst übrigens grundsätzlich viel mehr, wenn Du günstige Basisteile kaufst und diese dann selbst veränderst - zum Beispiel mit Flicken, Nähten und Abriebstellen auf "alt" oder "gebraucht" trimmst. LARP und Gewandung-Basteln gehört einfach zusammen!
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4. Wie erleichtere ich es anderen, mich mit darzustellen?

Hier gilt auf dem ConQuest der Grundsatz "Du kannst, was Du darstellen kannst".  Das bedeutet im Grunde zwei Dinge für Deinen Start ins LARP:
- Versuche so überzeugend wie Du kannst, das, was Du sein möchtest, durch Schauspielerei und Kostüm auszudrücken.
- Erwarte dabei niemals, dass Dein Gegenüber Dich so wahrnimmt, wie Du es gern hättest.
 
Es ist möglich eine Adelige in Bettler-Kleidung zu spielen. Natürlich ist das nicht leicht, aber man hat es schon gesehen. Genauso kann Dir passieren, dass Dir niemand abkauft ein Zwerg zu sein, wenn Du knapp zwei Meter groß bist - egal wie dicht und lang Dein Bart sein mag. Versuche am besten für den Anfang etwas zu spielen, bei dem es Dir leicht fällt andere davon zu überzeugen, dass diese Figur Hand und Fuß hat.
 
Das wichtigste zum Schluss: reagiere auf die Figuren der anderen Spieler so, wie Du möchtest, dass man Dir selbst begegnet. Wenn vor Dir eine tapfere und edle Elben-Bogenschützin steht und in tiefstem bayerisch spricht, wäre es trotzdem toll, wenn Du Sie als die Figur akzeptieren würdest, die sie versucht darzustellen.

5. Benötige ich das Regelwerk?

Wenn Du alle Tipps bis hierhin befolgt hast, benötigst Du eigentlich gar kein Regelwerk. Wenn Du Dich trotzdem etwas "sicherer" in der Darstellung fühlen möchtest, wirf doch mal einen Blick auf die dort hinterlegten Fertigkeiten, Trefferpunkte und Rüstungen.
 
Das könnte Dir helfen, besser abzuschätzen, wie schlimm zum Beispiel der Treffer durch ein Schwert auf Deine Figur ist und wie Du das dann im Spiel darstellen solltest. Oder Du kannst als Magierin einen Rahmen finden, welche Sprüche oder Rituale in unsere Spielwelt und unser Setting passen (bzw. welche Mächte Du besser weglassen solltest).
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Gewappnet für Dein erstes ConQuest!

Befolgst Du alle diese Tipps, so kann eigentlich nichts schiefgehen und Du bist bestens gewappnet für Dein erstes ConQuest!
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